Kilimandscharo-Der Weg ist das Ziel !

  In Tansania , reich an landschaftlicher Schönheit und geographischen Superlativen , liegen die fast endlose Savanne der Serengeti und einer der gewaltigsten Vulkankrater unserer Erde , der erhabene Ngorongoro. Hier reckt der höchste Berg Afrikas sein schneebedecktes Haupt 5896 Meter hoch in die Wolken. Kilimandscharo-„Berg des Lichtes“ nennen ihn die einen , Chumba cha Mungu-„Haus des Gottes“ die anderen.

     Nachts 3:33 Uhr , mein Wecker klingelt. Ich schalte ihn ab und schlafe weiter. Nach 10 Minuten raffe ich mich endlich auf. Heute fliege ich nach Tansania. Mein Flug geht von München über Amsterdam zum Kilimandscharo. Vor der Besteigung des Kilimandscharo, liegen aber noch eine Minisafari und der Mt. Meru vor unserer Gruppe.

Lake Manyara NP

Bei Temperaturen um die 25°C schüttelt uns der Land Rover über Schotterpisten bis zu unserer ersten Station , dem Lake Manyara NP. Paviane , Warzenschweine , Giraffen , Zebras , Gnus , Elefanten , Antilopen , Strauße , Flamingos und viele andere geben sich hier ein Stelldichein. Vom Auto aus beobachten wir die Tiere. Zuerst durch Urwald dann durch Buschland nähern wir uns dem Lake Manyara. Je weiter wir vordringen desto karger wird die Landschaft. Am Ufer des Sees angekommen genießen wir die Aussicht. Der Lake Manyara breitet sich vor uns aus. Auf dem Rückweg zu unserem Campingplatz begegnen wir einer Herde von Elefanten. Sie gehen die Fahrbahn entlang und verursachen so einen Stau von 8-10 Jeeps. Froh über diese Begegnung beobachten wir eine ganze Weile die Dickhäuter. Bevor sie in den Wald zurückgehen stürzt ein Bulle einen Baum über die Fahrbahn , so als wolle er klarstellen , hier bin ich der Stärkere. Aber unser Fahrer umrundet den Baum , und wir kehren rechtzeitig zum Abendessen in unser Camp im Dorf Mto Wa Mbu (dt. Am Moskitofluß) zurück. Am nächsten Tag blicken wir von der Abbruchkante des Rift Valley noch mal zurück auf den Lake Manyara NP bevor es Richtung Serengeti geht.          

Serengeti

     Diese riesige Wildnis entstand durch das Bersten tektonischer Platten vor mehr als 35 Millionen Jahren. Dabei bildete sich der Ostafrikanische Graben , auch Great Rift Valley genannt. Damals waren die Ebenen mit vom Wind angewehter Asche bedeckt , die vom ausgedehnten Vulkanismus der Region stammte. So blieb ein fruchtbarer Boden für Graß zurück , der das Wachstum von Bäumen nur in gewissen Gebieten zuließ. Der Name der Serengeti geht auf das Massai-Wort „siringet“ zurück , dass soviel wie „endlose Ebenen“ bedeutet. Heute umschließen die Grenzen des NP eine Fläche von über 14700 qkm. Darin tummeln sich unter anderem Kaffernbüffel , Löwen , Hyänen , Wildhunde , Leoparden , Geparden , Gnus , Zebras , Gazellen , Flusspferde , Paviane , Giraffen , Strauße , Sekretäre und viele weitere Vogelarten. Typische Bestandteile  des Landschaftsbildes bilden Hügel aus Granitgestein , auch Kopjes genannt , die wie kleine Felseninseln aus dem Meer des Grases herausragen. Auch hier beobachten wir die Tiere aus dem Auto. Manchmal versammeln sich mehrere Wagen , um ein paar Löwen oder Geparden die im Gras liegen , zu beobachten. Unser Abendlager schlagen wir dann in einem Camp mitten in der Serengeti auf. Daneben befindet sich eine bewachsene Felsengruppe. Die Zeit bis zum Abendessen nutze ich zum  Fotografieren , und von der Kopje aus beobachte ich wie die Sonne am Horizont der Savanne langsam verschwindet. Den gleichen Weg fuhren wir tags darauf wieder zurück, vorbei an unzähligen Gnus und Zebras , direkt in den Ngorongoro Krater.

Ngorongoro

     Vor mehr als 2 Millionen Jahren hatte der Vulkan Ngorongoro einen Kegel von fast 4600 m Höhe aufgebaut , bevor seine Spitze bei einer letzten heftigen Eruption weggesprengt wurde. Tausende von Kubikkilometern Magma wurden aus dem Vulkan geschleudert , so dass eine riesige unterirdische Höhlung zurückblieb. Als der Schlot einbrach , bildete er die mit 260 qkm größte Caldera der Erde. Der Kraterboden wurde schließlich von einer Graßnarbe überzogen , und Sickerwasser sorgte für die Wasserversorgung des natürlichen Amphitheaters. Der fruchtbare vulkanische Boden und die günstigen Klimabedingungen schufen ein unvergleichliches Tierparadies. Fast alle Tierarten Afrikas leben hier auf engsten Raum zusammen: Elefanten , Nasshörner , Flusspferde , Zebras , Gnus , Gazellen , Kaffernbüffel , Strauße , Flamingos , Warzenschweine , sowie Raubtiere wie Löwen , Hyänen , Schakale und Füchse. Vor uns liegt also sonnenflimmernd eines der „Wunder dieser Erde“ , der Krater des Ngorongoro. Atemberaubend in seiner Weite (ca. 30 km im Durchmesser). Wir schauen und staunen. Sechs- bis Siebenhundert Meter tief stürzen die Wände vom Kraterrand zum Kraterboden ab. Unten ist kurzgrasige Buschsavanne. An einer Stelle ist sie von dichten Akazienwald , dem Lerai Forest , an anderen Stellen durch Sumpfgebiete und einen Sodasee unterbrochen. Unser Fahrer tourt uns zuerst zum Sodasee mit den Flamingos. Aus der Ferne beobachten wir einen Elefanten , später ein Nasshorn. Zebras , Gnus und Kaffernbüffel kommen wir ganz Nahe , ja sogar ein Fuchs läuft uns über den Weg. Nicht weit von unserem Auto dösen drei Löwenmännchen in der Nachmittagssonne. Plötzlich kommt ein Büffel vorbei. Wir freuen uns schon auf eine Büffeljagd , aber zu unserem Erstaunen passiert genau das Gegenteil. Der Büffel geht auf die Löwen los. Die springen auf und weichen zur Seite. Danach zieht der Büffel wieder  seines Weges. Später klettert unser Wagen die steilen Serpentinen durch feuchte Bergnebelwälder zum Kraterrand (2285 m) hinauf. Unterwegs schauen wir noch mal zurück auf das herrliche Panorama des Ngorongoro. Nach den staubigen Pistenerfahrungen freuen wir uns aber schon auf eine Dusche in unserer Lodge am Fuße des Meru Vulkans.

Mount Meru

     Um uns an Höhe zu gewöhnen bestiegen wir zuerst den Mt. Meru (4566 m). Der Weg führte durch den Arusha Nationalpark. Ab dem Momella Gate begleitete uns zusätzlich ein bewaffneter Ranger , um uns vor eventuellen Angriffen durch Kaffernbüffeln oder Warzenschweine zu schützen. Erste Station ist die Miriakamba Hut wo wir auch übernachten. Spät Nachmittags unternehmen wir noch einen Akklimatisationsspaziergang. Zwischen bemoosten Baumriesen hindurch gleitet unser Blick zum Kilimandscharo hinüber , dessen Haupt im Widerschein der Abendsonne erstrahlt. Morgens gibt es einen wunderschönen Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück wandern wir durch einen Märchenwald , der uns verzaubert. Dichter Urwald umschließt uns , ein Gewirr von Stämmen , Zweigen und Lianen. Der knotige Bambus wächst hier , himmelhohe Koniferen , wilde Feigen- und Olivenbäume. Bärten von Gespenster gleich , hängen Moose und Flechten von den Zweigen herab. Hohe Farne wuchern überall. Bis in 3000 Meter Höhe zieht sich der Bergregenwald hinauf. Wir erreichen die kargere Saddle Hut und besteigen noch am Nachmittag den Little Meru , einen Nebengipfel des Meru. Am nächsten Morgen gingen wir schon um 3:38 Uhr los um den Gipfel zu erklimmen. Warm angezogen und mit Lampen ausgerüstet arbeiten wir uns vorwärts. Millionen Sterne funkeln am Himmel. Am Kraterrand angekommen blicken wir noch mal zurück auf die aufgehende Sonne , bevor es allmählich hochgeht. Der Mt Meru ist vollkommen schneelos. Nacktes graues Vulkangestein bildet seinen Gipfel. Der letzte steile Anstieg führt über große Felsblöcke bis zur Spitze. Von hier aus haben wir eine herrliche Aussicht auf den Kilimandscharo und den unter uns liegenden schaurig tiefen Krater am Aschenkegel. Nach ca. 11h waren wir dann an der Saddle Hut zurück. Am nächsten Tag erreichten wir die Lodge. Wir träumten schon vom Schnee am Kilimandscharo!

Kilimandscharo

     Gegen Ende des 19. Jahrhunderts (6.Okt.1889) – als der Kilimandscharo noch zu Deutsch-Ostafrika gehörte – bestieg der Deutsche Hans Meyer als erster Europäer zusammen mit einer einheimischer Trägerkolonne den Gipfel. Es erforderte ungewöhnliche Überredungskunst , das Vertrauen der Afrikaner zu gewinnen. Denn für dem am Fuße des Berges lebenden , kriegerischen Stamm der Wa-Chagga war der Kilimandscharo ein zentraler Bestandteil ihres religiösen Weltbildes. Eine uralte Legende der Massai erzählt von einem Leoparden , der einst eine Gazelle bis auf den heiligen Gipfel des Kilimandscharo verfolgte. Er verendete , denn wer schlechte Gedanken hegt , stirbt , ehe er den dort wohnenden Berggott erreicht. Groß war die Überraschung der europäischen Bergsteiger , als sie hoch oben in den weiten Schneefeldern tatsächlich den mumifizierten Körper eines Leoparden fanden , ganz in der Nähe eines Gazellenskeletts!

Das Kilimandscharomassiv umfasst 3 Vulkankegel , den Kibo 5896 m , den Mawenzi 5270 m und den Shira 4000 m. Wir bestiegen den Kibo mit seinem höchsten Punkt den Uhuru Peak (5896 m) über die Marangu Route. Beim Aufstieg sieht man sich einer äußerst abwechslungsreichen Landschaft gegenüber. Auf dichten Regenwald folgen offene Graslandzonen , bis man die Mondlandschaft auf dem Kibosattel und schließlich die Gletscher im Gipfelgebiet erreicht. Nach Erledigung der Formalitäten am Marangu Gate (ca. 1800 m) , wanderten wir durch den Regenwald zu den Mandara Hütten (2700 m). Diese „Nur-Dach-Häuser“ wurden von Norwegern errichtet , sie sind sauber und sogar mit Solarzellen ausgerüstet. Separate Kochhütten und ein Gemeinschaftshaus sind vorhanden. In diesem sitzen die Bergsteiger an langen Tischen und lassen sich das Mittagessen servieren. Am Nachmittag machten wir noch einen Spaziergang zum Maundi Krater. Der Weg zu den Horombo Hütten (3720 m) – die genauso ausgestattet sind – führte uns ein Stück durch Regenwald , über Wiesen , Moorland und Heide. Hier wächst die Protea kilimanscharia , eine Pflanze die sich durch das Feuer vermehrt. Nach einem Brand fallen die Samenkörner auf den jetzt nährreichen Boden und beginnen zu sprießen. Oben bei der Horombo Hut wachsen am hier durchfließenden Bach meterhohe Senecien , die das Bachufer in eine Oase verwandeln. Von den Horombo Hütten bis zur Kibohütte (4703 m) sind es 12 km. Es führt ein breiter Weg über den Kibosattel. Das ganze gleicht hier einer Mondlandschaft , nur Staub und Steine. Rechts grüßt der dunkle gezackte Mawenzi(5270 m) , der allerdings nur Kletterern vorbehalten ist. Nach unserem Akklimatisations- spaziergang am Nachmittag legen wir uns früh schlafen. Kurz vor Mitternacht stehen wir auf , trinken Tee und essen Kekse. Punkt 12:00 Uhr ziehen wir los. Der Mond scheint so hell dass wir keine Stirnlampen brauchen. Durch Geröll und große Felsen geht es steil aufwärts. Nach 6 endlos langen Stunden sind wir dann oben am Kraterrand am Gillman`s Point (5683 m). Während wir dem Gipfel entgegenstreben geht die Sonne auf und taucht alles in herrliches rötliches Licht. Links vom Pfad , zwischen zwei Felsen , sehe ich plötzlich ein Stück Eis. Wie durch ein aufgestoßenes Fenster , erblicke ich nun weiter hinten den Gletscher. Ich beginne zu fotografieren. Alle Handgriffe laufen automatisch ab. Dem Weg folgend tun sich mir immer neue Blickwinkel auf. Fast erschlagen von diesen tollen Augenblicken laufe ich wie in Trance weiter. Ich spüre keine Kälte mehr , und auch die Höhenluft scheint mir nichts auszumachen. Um 7:37 Uhr ist es geschafft. Ich habe den höchsten Punkt erreicht , den Uhuru Peak 5896 Meter. Ganz Afrika liegt mir zu Füßen. Nach der Ankunft der Mitreisenden schießen wir noch das obligatorische Gipfelfoto. Der Abstieg wurde dann entgegen meiner Erwartungen ziemlich anstrengend. Außer mit den rutschigen Geröll- und Aschehalden , hatte ich mit Übelkeit zu kämpfen. Als ich dann als Letzter , mittags , nach ca. 13h , wieder bei der Kibohütte angekommen war , hatte ich nur noch einen Wunsch – schlafen. Am gleichen Tag noch stiegen wir zu den Horombo Hütten hinab , um am nächsten Tag unseren Ausgangspunkt (Marangu Gate) zu erreichen. Dort wurden wir mit dem Auto abgeholt und zur Lodge zurückgefahren. Als Ausklang besuchten wir am letzten Tag den Arusha NP ganz in der Nähe.           

     Es waren viele Eindrücke die ich auf dieser nur zweiwöchigen Reise gesammelt habe. Nach und nach verarbeite ich das in so kurzer Zeit Erlebte , und schwelge zu Hause , bei der wiederholten Ansicht meiner Dias , in Erinnerungen an das Land dass mich so beeindruckte.

Tansania – ich komme wieder!